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Freitag, 18. Mai 2012
Harry-Potter-Nacht in Lisberg begeistert rund 90 Kinder

Harry-Potter-Nacht in Lisberg begeistert rund 90 Kinder – "Sprechender Hut" und "Walrosszahn"

Dunkel ist es. Im spärlichen Schein der Laternen laufen Kinder mit ihren Eltern zur Burg. Doch wie zugemauert wirkt der Torbogen zum Innenhof. Eine schwarze Plane versperrt den Weg. Der Blick fällt auf einen weißen Schriftzug: "Bahnsteig 9¾" — der richtige Zugang zur langen Harry-Potter-Nacht, die an diesem Freitagabend in einem alten Gewölbekeller der Vorburg auf die Kinder wartet.

von Matthias Litzlfelder

Durch einen Schlitz in der schwarzen Wand gelangen nach und nach alle Kinder in den Hof, fünf Jahre die Jüngsten, 16 die Ältesten, der Großteil im Grundschulalter. Frauen und Männer in schwarzen Gewändern und spitzen roten Hüten empfangen sie. Aus den Kindern werden „Zaubererschüler“ und die Veranstalter in den schwarzen Gewändern mimen die Professoren von Hogwarts, der Zaubererschule aus den Potter-Büchern. Allen voran agieren die beiden Jugendbeauftragten der Gemeinde Lisberg, Norbert Reichl und Gabi Riemer, als Schulleiter Albus Dumbledore und dessen Stellvertreterin Mrs McGonagall. Während einige Kinder noch an der linken Scheunenwand die Dampflok "Hogwarts-Express" als riesige Bildprojektion bewundern, stehen die anderen schon Schlange, um in den Gewölbekeller zu steigen. Auf massiven Steinstufen geht es steil hinunter.
"Hogwarts-Schule" mit dem Ferienprogramm-Team
Was sonst der gemütliche und stilvolle Weinkeller der Familie Laufer ist, wird an diesem Tag zur „Hogwarts-Schule“. Nicht einfach für das Team um die beiden Jugendbeauftragten, das auch schon das Ferienprogramm der Gemeinde organisiert hatte, die rund 90 erwartungsvollen und drängelnden Kinder und Jugendlichen zu bändigen. Denn zum Ort des Geschehens geht es nur langsam vorwärts. Jeder Eintretende macht, wie in der Buchvorlage, erst einmal Bekanntschaft mit dem „sprechenden Hut“. Braun ist er, selbst gebastelt aus Leder, mit langer Spitze und sieht dem Vorbild aus dem Film verblüffend ähnlich. Er wird jedem Kind auf den Kopf gesetzt, nennt es beim Namen und teilt es einem von vier Tischen zu. Natürlich spricht der Hut nicht direkt, sondern über Lautsprecher ertönt die dumpfe, klangvolle Stimme eines Erwachsenen, der sich mit dem Funkmikrofon versteckt hat. Doch die Kinder sind beeindruckt. Gespannt warten diejenigen, die bereits sitzen, an welchen Tisch die Eintretenden geschickt werden — Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin, wie die Internatsabteilungen in Hogwarts heißen. Was die Kinder nicht wissen: Die Zuteilung war schon im Vorfeld ausgemachte Sache, um bestehende Freundschaften zwischen ihnen zu berücksichtigen.
Blut oder Hundekotze?
Als alle Platz gefunden haben, machen sie sich ans Werk, einen Zaubererhut zu basteln. Auf den Tischen liegen schwarze, grüne und blaue Pappkartons, Kleber und Schere sowie Watte bereit. Die Pappe ist zum Teil schon passend zugeschnitten. Eifrig schneiden und kleben die Kinder, spitzen zum Nachbartisch, um zu sehen, ob die dort schneller sind, und probieren verschiedene Bauweisen. Die Erwachsenen helfen beim Basteln und nach geraumer Zeit trägt jedes Kind seinen runden spitzförmigen Hut mit Krempe, verziert mit Goldsternen oder Watte. Zufrieden sind die Gesichter der Kleinen, die letzte Scheu ist mittlerweile abgelegt. Der Lautstärkepegel steigt an. Mit seinen dicken Bruchsteinen und reduziertem Licht regt der Gewölbekeller die Phantasie an und lässt selbst kleine Objekte, wie drei Spinnenattrappen schaurig wirken. Wer seinen Hut gebastelt hat, kann sich etwas zu trinken holen. Jedes Kind hat einen Becher, der aus zwei großen Plastikkanistern gefüllt wird. Wo sonst Fränkischer Federweißer gezapft wird, läuft nun Fruchtsaft heraus. „Kann man trinken“, meint ein Junge und leert seinen Becher in zwei Zügen. Der Saft schmeckt nach Kirsch oder Orange. Doch die Einbildungskraft der Kleinen kennt keine Grenzen. „Das ist Blut“, schreit der eine. Ein anderer erklärt seinem Nachbarn, dass es sich bei der hellen Flüssigkeit um Hundekotze handele.
Einhornblut, Krötenhaut und Walrosszahn
Nach dem Hut basteln die Kinder ihren Zaubererstab — schwarz, mit Aluminiumstücken an den Enden. Anschließend wird ein Zaubertrank gebraut. Norbert Reichl alias Professor Dumbledore gibt dazu genaue Anweisungen. Akribisch gibt ein jeder „Zaubererschüler“ die auf den Tischen bereiteten Zutaten in seinen kleinen Messbecher: „ein Teelöffel Einhornblut, ein bisschen ausgekochte Krötenhaut, zwanzig Milliliter Wasser des Lebens und ein Stück getrockneter Walrosszahn“, lautet das Rezept. Der Walrosszahn ist in Wirklichkeit ein Stück Brause und bringt das Gebräu zur Begeisterung der Kinder zum Brodeln. Nach einer kurzen Pause folgen zwei Zaubertricks, dann gibt es für alle etwas zu essen. Mittlerweile sind drei Stunden vergangen und die „Hogwarts-Schüler“ stehen Schlange, um Westernkartoffeln, kleine Hähnchenkeulen und –nuggets zu verzehren. Die Nachspeise ist rot und klebrig. Götterspeise nennen es die so genannten Muggel — einfache Menschen, die mit Zaubern nichts am Hut haben. Doch im Gewölbekeller spricht jeder nur von "Trollpopel".
Bis nach Mitternacht
Gegen 22 Uhr werden die Tische beiseite geräumt und Matten bereit gelegt. Auf einer Leinwand sehen die Kinder nun den zweiten Harry-Potter-Film, bei dem es um "die Kammer des Schreckens" geht. Pünktlich um Mitternacht ist das Ende geplant, denn von da an darf das neue Potter-Buch verkauft werden. In Zusammenarbeit mit einer Bamberger Buchhandlung haben die Veranstalter die druckfrischen Bände an diesem Abend in Lisberg schon bereit liegen. Als gegen 0.15 Uhr wegen verschiedener Verzögerungen der Film immer noch läuft, müssen die Organisatoren die Potter-Nacht abbrechen. Mittlerweile warten auch schon die Eltern, um ihre Sprösslinge abzuholen. Niemand von den Kleinen mault, weil er den Film nicht zu Ende sehen darf, denn die Kinder sind nach dem langen Abend müde. Der Film war für sie anscheinend auch nicht so wichtig. „Das Beste war, den Zaubertrank zu brauen“, sagt ein rothaariger Junge. Der Gewölbekeller leert sich. Die Organisatoren wissen am Ende leider keinen Zauberspruch, um die Unordnung schnell zu beseitigen. Also hilft nur eins: Mit den Händen aufräumen, so wie es die Muggel machen.

Bilder zur Veranstaltung

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Dokument zuletzt aktualisiert am: 25.10.2006 21:12:15
 
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