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Wenn Ende März/Anfang April
die ersten wärmenden Sonnen-
strahlen wieder die Wanderer in
die wunderbare Natur des
Steigerwaldes locken, dann
beginnt die Saison für eine
weitere Volkssportart der
Franken, vor allem in den
Gebieten um Bamberg: Man geht
"auf den Keller", Frau auch!
"Auf den Keller"??? Ja, Sie haben richtig gelesen, nicht "in den
Keller".
Damals, als es noch keine Kühlschränke gab, mußte das Bier -vor
allem in den Sommermonaten- zur besseren Haltbarkeit irgendwie kühl gelagert
werden. Dazu boten sich logischerweise Keller an. Da die Keller unter
den Brauerreien in der Stadt nur eine bregrenzte Lagerkapazität boten,
wich man in die Außenbezirke aus. Dort wurden Stollen in die Hügel
getrieben mit den Eingang auf die nördliche, sonnenabgewandte Seite.
Häufig wurden zur weiteren Kühlung noch Bäume über den
Kellern gepflanzt. Die gleichbleibende Temperatur bot so ideale
Kühlungsmöglichkeiten für den kostbaren Gerstensaft.
Der Transport der Fässer zu den Kellern mit Pferd und Wagen war damals
eine ziemliche Schinderei. Was lag also näher, als das eingelagerte Bier
direkt "ab Keller" auszuschenken. Dies war dann auch die
Geburtsstunde der heutigen Bierkeller.
Um 1830 waren die Keller so sehr beleibt, daß ein zeitgenössischer
Bamberger Chronist stöhnte: "Die Bierkeller sind das Hauptanliegen
der Bamberger!". Viele Wanderungen endeten meistens auf einem Keller oder
waren der eigentliche Grund für eine Wanderung direkt dorthin.
Geschäftstüchtige Wirte holten ihre Kundschaft sogar mit dem "Zeiselwagen"
ab und das "Bamberger Tagblatt" richtete eigens ein
"Felsenkeller-Anfrage-Büro" ein.
Nach dem 1. Weltkrieg war jedoch die Blütezeit der Keller vorbei. Bestanden
um 1840 im Bamberger Stadtgebiet noch 63 Keller, waren es 1934 nur noch 11.
Steigende Touristenzahlen bringen jedoch heute viele Wirte dazu, ihre alten
stillgelegten Keller wieder zu reaktivieren. Ein zünftiger Kellerbesuch,
vorzugsweise in Begleitung eines erfahrenen Kellergängers, sollte in den
Sommermonaten zum Besuchsprogramm der Bamberger Region gehören. Denn was
gibt es schöneres, als mit gutem Bier, rustikalem Essen und netten Leuten
einen Nachmittag oder Abend abseits von Streß und Hektik zu verbringen.
Bleibt noch anzumerken, obwohl viele Keller stets ein einfaches aber schmackhaftes
Angebot an kleinen Speisen haben, ist es fast überall erlaubt, seine eigene
Vesper mitzubringen. Nur die Getränke sollten Sie besser vom Kellerwirt
beziehen. Zur Grundausstattung eines Kellerbesuchs gehört auf jeden Fall ein
Regenschirm, denn ein Unwetter kommt meistens schneller als man denkt!
Wenn Sie sich dann in fröhlicher Runde niedergelassen haben, wundern Sie
sich bitte nicht über einige seltsame Gebräuche und Rituale: Bierfilze
auf statt unter dem Krug verhindern, daß Ihr Getränk urplötzlich eine
Fleischbeilage oder einen holzigen Beigeschmack bekommt. Nachbestellt
wird, indem man seinen Bierkrug quer legt. Eine aufmerksame Bedienung
vorausgesetzt, rollt der Nachschub sofort. Allerdings haben viele Keller
Selbstbedienung, dann können Sie lange warten...
Damit die Verständigung auch für Nichtfranken klappt, seien hier noch einige
"Fachbegriffe" erkärt:
| Backsteinkäs |
Mit dem Harzer Roller vergleichbare Käseart. Wird gerne mit "Musik" gereicht. |
| Eing'schnittne |
Wurstsalat, meist Fleischwurstscheiben mit Musik und Zwiebeln. |
| Maß |
Das Maß aller Dinge: Ein Liter leckeren Bieres |
| Musik |
Hier nicht das akustische Ereignis, sondern eine würzige
Soße aus Essig, Öl, Salz und Pfeffer. |
| Seidla |
In nicht-fränkischen/-bayrischen Regionen als "Halbe"
bezeichnet: 1/2 Liter Bier. |
| Schnitt | Entspricht etwa 1/4 Liter Getränk.
Franken bestellen oftmals kurz vor dem Heimweg vom Stammtisch noch schnell
einen Schnitt, um mit den Stammtischbrüdern gleichzuziehen. |
| Spruz |
Wenige Schlucke. Wird aber nicht ausgeschenkt. |
| Ziebeleskäs |
Würziger Quark oder Frischkäse, nach alten, oft geheimen,
Familienrezepten hergestellt. |
| Zwetschenbaames |
Lufgetrockneter Rinderschinken in dünnen Scheiben. |
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