| "Auf'm Keller" |
|
"Auf den Keller"??? Ja, Sie haben richtig gelesen, nicht "in den Keller". Damals, als es noch keine Kühlschränke gab, mußte das Bier -vor allem in den Sommermonaten- zur besseren Haltbarkeit irgendwie kühl gelagert werden. Dazu boten sich logischerweise Keller an. Da die Keller unter den Brauerreien in der Stadt nur eine bregrenzte Lagerkapazität boten, wich man in die Außenbezirke aus. Dort wurden Stollen in die Hügel getrieben mit den Eingang auf die nördliche, sonnenabgewandte Seite. Häufig wurden zur weiteren Kühlung noch Bäume über den Kellern gepflanzt. Die gleichbleibende Temperatur bot so ideale Kühlungsmöglichkeiten für den kostbaren Gerstensaft. Der Transport der Fässer zu den Kellern mit Pferd und Wagen war damals eine ziemliche Schinderei. Was lag also näher, als das eingelagerte Bier direkt "ab Keller" auszuschenken. Dies war dann auch die Geburtsstunde der heutigen Bierkeller. Um 1830 waren die Keller so sehr beleibt, daß ein zeitgenössischer Bamberger Chronist stöhnte: "Die Bierkeller sind das Hauptanliegen der Bamberger!". Viele Wanderungen endeten meistens auf einem Keller oder waren der eigentliche Grund für eine Wanderung direkt dorthin. Geschäftstüchtige Wirte holten ihre Kundschaft sogar mit dem "Zeiselwagen" ab und das "Bamberger Tagblatt" richtete eigens ein "Felsenkeller-Anfrage-Büro" ein. Nach dem 1. Weltkrieg war jedoch die Blütezeit der Keller vorbei. Bestanden um 1840 im Bamberger Stadtgebiet noch 63 Keller, waren es 1934 nur noch 11. Steigende Touristenzahlen bringen jedoch heute viele Wirte dazu, ihre alten stillgelegten Keller wieder zu reaktivieren. Ein zünftiger Kellerbesuch, vorzugsweise in Begleitung eines erfahrenen Kellergängers, sollte in den Sommermonaten zum Besuchsprogramm der Bamberger Region gehören. Denn was gibt es schöneres, als mit gutem Bier, rustikalem Essen und netten Leuten einen Nachmittag oder Abend abseits von Streß und Hektik zu verbringen. Bleibt noch anzumerken, obwohl viele Keller stets ein einfaches aber schmackhaftes Angebot an kleinen Speisen haben, ist es fast überall erlaubt, seine eigene Vesper mitzubringen. Nur die Getränke sollten Sie besser vom Kellerwirt beziehen. Zur Grundausstattung eines Kellerbesuchs gehört auf jeden Fall ein Regenschirm, denn ein Unwetter kommt meistens schneller als man denkt! Wenn Sie sich dann in fröhlicher Runde niedergelassen haben, wundern Sie sich bitte nicht über einige seltsame Gebräuche und Rituale: Bierfilze auf statt unter dem Krug verhindern, daß Ihr Getränk urplötzlich eine Fleischbeilage oder einen holzigen Beigeschmack bekommt. Nachbestellt wird, indem man seinen Bierkrug quer legt. Eine aufmerksame Bedienung vorausgesetzt, rollt der Nachschub sofort. Allerdings haben viele Keller Selbstbedienung, dann können Sie lange warten... Damit die Verständigung auch für Nichtfranken klappt, seien hier noch einige "Fachbegriffe" erkärt:
|
| ©2001 www.mein-steigerwald.de |